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Pastoralraum Brugg-Windisch

Ein Gebet in der Zeit der Pandemie

Gott des Himmels und der Erde,

So spreche ich dich an als der, der über dem Himmel und über der Erde steht. Zugleich bist du der, der mitten unter uns und auch ganz in mir lebt.

Unsere und deine Welt ist nicht mehr so, wie sie vor wenigen Tagen noch war. Das Gewohnte, das Sichere, das Selbstverständliche, das Unumstössliche ist aus dem Geleise geworfen worden.

Ich kann morgens nicht mehr aufstehen und in den Tag hineingehen, wie ich es gewohnt war.

Vieles kann ich nicht mehr zu mir nehmen, einfach anfassen. Vieles gehört nicht mehr selbstverständlich zu mir, Dinge und Menschen. Ich bin gezwungen auf Distanz zu leben.

Was ich unmittelbar aussende oder was mir entgegenkommt kann auch Unheil in sich tragen. Ich kann nicht mehr wahllos geben und nehmen. Menschen, ganz nahe, verwandte, nachbarliche, sind ein anderes Gegenüber geworden, ein verwandeltes Du.

Nicht nur das Leben der Infizierten, auch mein Leben, meine Gesundheit ist eine bedrohte. Mein Gefühl einer starken Gesundheit ist herabgestuft.

Aus diesem Lebensgefühl heraus bete ich zu dir, Gott des Lebens. Aus der gegenwärtigen Erfahrung von Ungewissheit, Angst, Ohnmacht und Unsicherheit ist mein Gebet ein bittendes Gebet, es ist meine Bitte um Hilfe, um Stärke, um Hoffnung und Kraft.

Bewahre in mir Hoffnung und Vertrauen. Lass mich nicht in Panik verfallen und Angst verbreiten.

Gib Kraft und Stärke allen Helfenden, die den Kranken beistehen und oft über die Massen gefordert sind.

Gib Kraft und Stärke allen, die den normalen Betrieb drinnen und draussen aufrechterhalten und sich Gefahren aussetzen müssen.

Gib Kraft und Stärke allen Verantwortlichen, die in dieser Zeit der Krise die richtigen Entscheide fällen müssen.

Gib uns den Geist der Einsicht, dass wir erkennen, was uns diese Krise sagen will. Vielleicht stellt sie uns vor Fragen:

Was bedeutet mir der Mitmensch? Was bedeutet es mir, Nähe zu erfahren? Kenne ich so etwas wie Ehrfurcht vor dem Leben des anderen?

Gott, wecke in mir neu das Gefühl der Solidarität, das Gefühl der Verantwortung. Schenke mir die Erfahrung, wie wir einander brauchen, was wir einander geben können.

Zeige mir, wo ich auch in dieser Situation Nähe schenken kann, vielleicht eine ganz neue Art. Gott, ich weiss, dass ich aufrecht vor dir gehen kann, und nicht unterwürfig. Aber führe mich zu jener Bescheidenheit, die allen dient.

Führe mich zur Einsicht, dass ich nicht alles haben kann und nicht alles sofort haben muss, dass keine Bäume in den Himmel wachsen und nichts selbstverständlich ist.

Gott, ich bitte dich für die Sterbenden, für jene, die gerade jetzt Todesängste erleiden, für jene, die Schmerzen ertragen müssen.

Ich bitte dich für die Verstorbenen: gib ihnen ein neues Daheim bei dir und halte deine schützende und tröstende Hand über jene, die liebe Menschen hergeben mussten.

Zum Schluss, tragender Gott:

Danke, dass ich mich vertrauensvoll an dich wenden kann. Mit diesem Gottvertrauen strecke ich mich aus nach jener Zeit, in der die Freude sich wieder ungetrübt ausbreiten kann:

„Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Heimat; Herr, erbarme dich.“

Walter Blum, pensionierter Seelsorger


Kirchenfenster
 

Dokument Ein_Gebet_in_der_Zeit_der_Pandemie.pdf (pdf, 318.1 kB)

Datum der Neuigkeit 23. März 2020

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