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10.04.2021 20:27:11


Chronik der Geschichte der Katholiken in der Region Brugg



1528
Aus katholisch wurde reformiert

Die heutige reformierte Kirche von Brugg war ursprünglich katholisch. 1528 beschloss der Berner Rat die Einführung der Reformation, führte formell aber noch Volksabstimmungen durch. Nachdem die Brugger zuerst für das Beibehalten des alten Glaubens gestimmt hatten, wurden sie von den Berner Abgeordneten massiv unter Druck gesetzt. Schliesslich stimmten sie für den neuen Glauben.

1803
Niederlassungs- und Religionsfreiheit

Nach der Gründung des Kantons Aargau stand das bisher reformierte Gebiet auch fremden Katholiken offen. Keine Behörde durfte Zuzügern die Niederlassung verweigern und ihnen die Konfession vorschreiben. Brugger und Windischer Katholiken waren der Doppelpfarrei Birmenstorf/Gebenstorf zugeordnet.

1830
Katholische Gottesdienste in Königsfelden

Im ehemaligen Kloster Königsfelden war seit 1803 das Kantonsspital untergebracht. Gegen den Willen der Ärzte, aber mit offizieller Erlaubnis der Regierung durften die Katholiken den Chor der Kirche in Königsfelden von 1830 bis 1873 für Gottesdienste benutzen.

1899
Erster katholischer Gottesdienst in Brugg seit der Reformation

Der erste katholische Gottesdienst nach der Reformation fand 1899 in Brugg im Singsaal des Hallwylerschulhauses (Bezirksschule) statt. Der Stadtrat stellte auch ein Schulzimmer für den Religionsunterricht zur Verfügung.

1901
Erstes Pfarrhaus – das heutige «Laubsägelihuus»

Die Römisch-Katholische Kirchenbaugesellschaft Brugg kaufte 1901 das sogenannte «Laubsägelihuus». Es war das erste Pfarrhaus und steht noch heute an der Stapferstrasse 15.

1902
Der erste Pfarrer – Aufbau einer Pfarrei

Erster Pfarrer war Fridolin Umbricht. Er und sein Nachfolger Albert Hausheer nutzten bis 1905 den oberen Raum im alten Schützenhaus für Gottesdienste. Um Geld für eine Pfarrkirche zu beschaffen, hielten sie landauf, landab Bettelpredigten. Die Pfarrei umfasste fast alle Gemeinden des Bezirks Brugg.

1905
Grundsteinlegung der Kirche St. Nikolaus in Brugg

Feierliche Grundsteinlegung der Kirche St. Nikolaus Brugg am 21. Mai 1905. Finanziert wurde der Bau ebenfalls von der Kirchenbaugesellschaft. Mitglieder waren wenige, zahlungskräftige, als besonders kirchentreu geltende Laien und mehrere Geistliche.

1907
Weihe von St. Nikolaus in Brugg

Am Ostermontag, 1. April 1907, weihte Bischof Jakob Stammler das neue Gotteshaus. Die Kirche St. Nikolaus war die erste katholische Kirche im Bezirk Brugg seit der Reformation. Der Architekt Adolf Gaudy baute hier erstmals eine Kirche. Als Stil hatte man sich auf den Neubarock geeinigt.

1910
Windischer Katholiken gehören offiziell zur Pfarrei Brugg

Wegen der neuen Kirche in Brugg wollten die Windischer Katholiken den Gottesdienst nicht mehr in Gebenstorf besuchen. Gesuche ans Bistum für eine Umteilung fruchteten nichts. Erst 1910 klärte der Grosse Rat die Situation juristisch. Windisch gehörte fortan zivilrechtlich zur Pfarrei Brugg.

1920
Erstes Pfarrblatt

Das erste Pfarrblatt für die Katholische Pfarrei Brugg erscheint ab 1920 jeden Freitag. Leitspruch: «Für Haus und Herd – zur Lehr‘ und Wehr». Herausgegeben wurde es vom Pfarramt.

1921
Erstmals läuten Glocken für die Katholiken

Erst 1921 erhielt die Kirche Glocken. Feierlicher Umzug und Glockenweihe war am 21. August 1921. Die Brugger Schuljugend zog zwei Tage später die vier Glocken hoch.

1925
Zweites Pfarrhaus erbaut
Das heutige Brugger Pfarrhaus an der Bahnhofstrasse und der angebaute Saal waren im Sommer 1925 vollendet. Die neu entstandenen katholischen Vereine erhielten damit einen Versammlungsort in Brugg. Der Saal war Kristallisationspunkt eines reichen Pfarreilebens.

1931
Auf dem Weg zur politischen Anerkennung
Bereits 1918 wollte der Männerverein, dass ein Katholik in die Brugger Schulpflege gewählt wird. 1931 war Nationalrat August Mühlebach der erste katholische Vertreter in dieser Behörde. Fortan konnten Anliegen an die Schule direkt vorgebracht werden.

1937
Staatliche Anerkennung der Kirchgemeinde Brugg
Die Brugger Katholiken erreichten 1937, dass die privatrechtliche Römisch-Katholische Genossenschaft Brugg in eine staatlich anerkannte Kirchgemeinde umgewandelt wurde. Brugg war nun eine Kirchgemeinde mit einer Kirchenpflege an der Spitze und durfte Steuern erheben.

1951
Bevölkerungszunahme – Landkauf für eine zweite Kirche in Windisch
In den 1950er-Jahren plante man den Bau einer zweiten Pfarrkirche in Windisch. Es war schwierig, für einen katholischen Kirchenbau Land zu erwerben. Erst durch einen Mittelsmann gelangte die Kirchgemeinde im Mai 1951 zum Ziel.

1952
Erste Renovation von St. Nikolaus
Die erste Renovation von St. Nikolaus unter Pfarrer Hermann Reinle führte zur starken Reduktion von ornamentalem Schmuck im Kircheninnern. Ein neu geschaffener Altar wurde frei in der Chormitte aufgestellt.

1953
Katholikentag in Windisch
Katholikentage dienten dazu, gegen aussen Stärke und Geschlossenheit des Katholizismus zu demonstrieren. Gegen innen vermittelten sie das Gefühl von Gemeinschaft. Am 5. Juli 1953 trafen sich rund 15 000 Katholiken zur Pontifikalmesse im Amphitheater Windisch.

1960
BBC-Stadt im Birrfeld – Landkauf für dritte Kirche
Im Birrfeld plante die Firma BBC eine Industriestadt auf der grünen Wiese aufzustellen. Ein dritter Kirchenbau drängte sich auf. 1960 kaufte man das Land dafür.

1962
Erster katholischer Schulpflegepräsident
Noch spielte die Konfession eine Rolle: Mit Max Brentano sen. wurde der erste Katholik 1962 Präsident der Schulpflege.

1963
Spatenstich in Windisch für die St.-Marien-Kirche
An Auffahrt, 23. Mai 1963, tätigte Pfarrer Eugen Vogel den ersten Spatenstich. Den Wettbewerb für eine zweite Pfarrkirche in Windisch gewann mit der Architektin Ruth Lanners eine Frau.

1965
Weihe der Pfarrkirche St. Marien, Windisch
Ein grosser Tag für die Windischer bedeutete der 27. Mai 1965. Bischof Franziskus von Streng weihte die St.-Marien-Kirche, verlas und übergab die Urkunde zur Errichtung der Pfarrei Windisch. Danach installierte er den neuen Pfarrer Eugen Vogel.

1966
Weihe der Pauluskirche im Birrfeld
Am 19. Mai 1966 weihte Viktor Schönbächler, der Abt von Disentis, die Pauluskirche. Rund um die Notkirche im Birrfeld entwickelte sich ein eigenes Pfarreileben.

1966
Erster Kinderhort im Bezirk
Das grösste Problem von Gastarbeiter-Eltern in den 1960er-Jahren war die Sorge um ihre unbetreuten Kinder. Ein Kinderhort war deshalb wichtigstes Anliegen vom neuen Italiener-Missionar Don Edoardo Borgialli von der Missione Cattolica di Lingua Italiana, der 1963 sein Amt aufnahm. In der Villa Knoblauch in Schinznach-Bad öffnete im Dezember 1966 der erste Kinderhort seine Tore.

1968
Die Aargauer Katholikinnen erhalten das Stimm- und Wahlrecht

Die Pfarreien Brugg und Windisch erwiesen sich als fortschrittlich: Der Ja-Anteil von 77 Prozent war im Vergleich zum Kanton mit 55 Prozent Ja-Stimmen überwältigend.

1968/1972
Erste ökumenische Gottesdienste in Brugg und Windisch

1968 wurde die städtische Weihnachtsfeier in der reformierten Stadtkirche Brugg erstmals im ökumenischen Rahmen abgehalten.
1972 fand in Windisch der erste ökumenische Gottesdienst statt, der besonders bei den Reformierten sehr gute Aufnahme gefunden hatte.

1968
Weltgebetstag der Frauen erstmals mit den Reformierten

Ein von Frauen für Frauen gestalteter Gottesdienst ist die Weltgebetstagsfeier am ersten Freitag im März. 1968 nahmen erstmals auch die Frauen in der Kirchgemeinde Brugg daran teil. Durch die Beschäftigung mit der Liturgie und durch die Bibelarbeit sammelten katholische Frauen erste Erfahrungen in der Gestaltung von Gottesdiensten ohne Pfarrer.

1969
Steuergelder für Dritte Welt

Einen denkwürdigen Aufbruch markierte die Kirchgemeindeversammlung im Januar 1969: Zum ersten Mal war die Rede von der «Not in der Dritten Welt». Von nun an rang man um den Einsatz von Steuergeldern.

1969 bis 1971
Pfarreiräte werden gegründet

Ab 1969 entstanden Pfarreiräte, zuerst auch Seelsorgeteams genannt. Sie sollten die zwei Pfarrer von Brugg und Windisch sowie die drei Seelsorgestellenleiter vom Birrfeld, von Schinznach-Dorf und Riniken beim Gemeindeaufbau der fünf Seelsorgebezirke unterstützen und entlasten.

1971
Erste Wortgottesdienste – Laientheologen lösen Vikare ab

An den damaligen Seelsorgestellen wurden anstatt Vikare erste Laientheologen eingesetzt. Ende 1971: Willi Zuber (Schinznach-Dorf); März 1972: René Merz (Birrfeld); August 1972: Hans Egli (Brugg-Nord). Es herrschte ein so deutlicher Personalmangel, dass sogar verheiratete Priester eine Stelle fanden.

1972
Pionierin in Religionspädagogik

Vreni Merz, die Frau des Laientheologen René Merz, übernahm Unterrichtsstunden und begann ihre Karriere als Katechetin im Birrfeld. Sie galt später schweizweit als anerkannte Fachfrau auf dem Gebiet des Religionsunterrichts.

1972
Entwicklung von Liturgiegruppen

Ab 1972 entstanden Liturgiegruppen in den Seelsorgebezirken. Der wiederholte Wechsel der Seelsorge-Stellenleitung in Brugg-Nord, verbunden mit längeren Vakanzzeiten, förderte die Eigenständigkeit und das Engagement der Laien in besonderem Masse. Es entstand eine Wortgottesdienst-Gruppe.

1973
Begegnungsstätte für Italiener – Centro Lauffohr

Das Centro in Lauffohr war ab 1973 Begegnungsstätte für die Italiener: Es war als Gastwirtschaft angelegt und erhielt die Lizenz für den Ausschank von Alkohol. Der Architekt Hannes Keller entwarf ein Gebäude mit Kinderhort, Kindergarten, Mehrzwecksaal mit Bühne, Jugendräume und Wohnungen für die betreuenden Schwestern des Horts.

1975
Einweihung eines Holzpavillons in Schinznach-Dorf

Vier Jahre nach der Einsetzung von Willi Zuber als Seelsorger erfolgte im November 1975 die Einweihung eines Holzpavillons, der «Begegnungsstätte Schinznach-Dorf». Auf dem gekauften Land durfte nur ein Provisorium aufgestellt werden.

1976
Erste Weihe eines verheirateten Mannes zum Diakon

Schweizer Premiere: Willi Zuber erhielt in der Kirche St. Nikolaus die Weihe zum Ständigen Diakon. Der Laien-Seelsorger im Schenkenbergertal hatte seit fünf Jahren mit bischöflicher Erlaubnis die Dienste eines Diakons versehen. Aus dem Experiment wurde ein seelsorgerliches Modell für die Schweiz. Ein verheirateter Diakon wie Willi Zuber durfte trauen, Taufen vornehmen und Wortgottesdienste halten.

1978
Kirchliches Zentrum Lee in Riniken eingeweiht

Das ökumenisch genutzte Kirchliche Zentrum Lee wurde im November 1978 eingeweiht. Im Mehrzweckgebäude mit Kirchturm feierten die Katholiken von Brugg-Nord regelmässig Gottesdienste. Speziell daran: Bauherrin war die Reformierte Kirchgemeinde Umiken.

1983
Schweizweit die erste Frau – Einsetzung von Rita Bausch als Leiterin der Seelsorgestelle Birrfeld

1983 war Rita Bausch die erste Leiterin einer Seelsorgestelle im Birrfeld. Neben 15 Männern war sie die einzige Frau im Dekanat Brugg. Sie war eine Pionierin und im Birrfeld sehr geschätzt. Mit ihr wurde es selbstverständlich, dass Frauen am Altar standen und Gottesdienste feierten. Bekannt war sie in jener Zeit durch ihre Auftritte in der Fernsehsendung «Wort zum Sonntag» und durch ihre Radiopredigten.

1994
Weihe der Kirche St. Franziskus in Schinznach-Dorf

Mit dem Bau der Kirche St. Franziskus ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Die Lage am Rand eines Einfamilienhausquartiers in Schinznach-Bad bedeutete, dass kein Bau mit monumentalem Charakter erstellt werden sollte. Architekten waren Andreas Graf und Antti Rüegg.

1999
Fachbereich Soziales

Nachdem in der Stadt Brugg die Gelder für die Familienhilfe wegfallen, übernahm die Kirche gewisse Aufgaben. Es wurde eine Stelle geschaffen, welche für alle sozialen Belange der Seelsorgebezirke zuständig ist.

2000
Vom Pfarrer zur Gemeindeleitung

Der Mangel an Priestern führte zur Entwicklung des Modells der Gemeindeleitung mit einem Mitarbeitenden Priester mit Pfarrverantwortung und einem Gemeindeleiter.

2002
Brand Centro – Umzug des Kinderhorts

Das Centro in Lauffohr hatte als Begegnungsstätte für die Italiener 1983 ausgedient. Nun wurde es als Durchgangsheim für Asylsuchende genutzt. Nach dem Brand 2002 wurde das Gebäude abgerissen und das Land verkauft. In den neu entstandenen Wohnhäusern mietete die Kirchgemeinde eine Wohnung für den heutigen Kinderhort.

2016
Diakonie – Anlaufstelle für Menschen in Not

Im August 2016 wurde mit dem Kirchlichen Regionalen Sozialdienst (KRSD) eine neue Anlaufstelle für Menschen in Not geschaffen. Es handelt sich um eine Kooperation von Caritas Aargau mit der Katholischen Kirchgemeinde Brugg, unterstützt von der Landeskirche. Beratungen finden statt in den Räumlichkeiten der Kirche im «Laubsägelihuus» an der Stapferstrasse in Brugg.

2016
Errichtung des Pastoralraums Region Brugg-Windisch

Am Sonntag, 30. Oktober 2016, errichtete Bischof Felix Gmür in der St.-Marien-Kirche in Windisch den Pastoralraum Region Brugg-Windisch. Die beiden Pfarreien Brugg und Windisch, d.h. die fünf Kirchenzentren, erhielten damit einen Pastoralraumleiter und einen Leitenden Priester mit Pfarrverantwortung. Neben der Seelsorge vor Ort bekannte man sich durch den Ausbau der sozialen Angebote dazu, zu helfen, wo es am nötigsten ist.

2016
Neue Orgel für St. Franziskus, Schinznach-Dorf

Am Sonntag, 6. November 2016, wurde die neue Pfeifenorgel in der St.-Franziskus-Kirche in Schinznach-Dorf feierlich eingeweiht. Die Orgel mit 800 Pfeifen aus Eichenholz und Metall ertönte erstmals im Gottesdienst am Sonntagmorgen. Orgelbauer Metzler aus Dietikon schuf ein einzigartiges Instrument, das bei guter Betreuung bis zu 300 Jahre im Einsatz sein kann.