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30.03.2020 15:29:56


Riniken: 40 Jahre Ökumene unter einem Dach

Am 10. September 1978 wurden im «Kirchlichen Zentrum Lee» in Riniken die Glocken hochgezogen; am 19. November 1978 wurde die ökumenische Begegnungsstätte eingeweiht. Endlich hatten Reformierte und Katholiken Räumlichkeiten, um vor Ort Gottesdienste zu feiern. Seit 40 Jahren lebt man erfolgreich ökumenisch unter einem Dach – das wird am 16. September 2018 gefeiert.

Am Anfang stand der Wunsch nach einem eigenen Friedhof. Für viele Riniker war es vor rund 50 Jahren unbefriedigend, dass sie ihre Verstorbenen nicht auf Gemeindeboden bestatten konnten. Eine ökumenisch engagierte Gruppe aus der Bevölkerung, genannt «Aktion Lee», setzte sich in der Folge nicht nur für einen eigenen Friedhof, sondern auch für den Bau eines ökumenischen Kirchenzentrums ein. Wie im Geschichtsbuch über die Katholiken in der Region Brugg zu lesen ist, waren am Bauprojekt neben der Reformierten Kirchgemeinde Umiken die Einwohnergemeinde Riniken, die Römisch-Katholische Kirchgemeinde Brugg und die «Aktion Lee» beteiligt. Letztere sammelte in der Bevölkerung für den Bau dank vieler erfolgreicher Veranstaltungen 100‘000 Franken und spendete zwei Glocken.
Die katholische Kirchgemeinde hatte in den Jahren zwischen 1960 und 1970 dank Zuwanderung einen grossen Zuwachs an Gläubigen erfahren. Nicht nur war die Bevölkerung im ganzen Gebiet des heutigen Pastoralraums Region Brugg-Windisch gewachsen, der Anteil der Katholiken in Riniken beispielsweise hatte sich fast verdreifacht. Das Interesse war deshalb gross, ein kirchliches Zentrum im Norden Bruggs mit aufzubauen, das für Gottesdienste genutzt werden konnte und das Gemeindeleben vor Ort mit Anlässen stützte.

Ökumene auch heute keine Selbstverständlichkeit

Ökumenische Zusammenarbeit war und ist jedoch keineswegs selbstverständlich. Wie es heute um die Ökumene unter einem Dach bestellt ist, darüber können die Koordinatorin des katholischen Pfarreirats, Judith Aranya, und der reformierte Pfarrer Wolfgang von Ungern-Sternberg berichten: «Der Tisch, an dem wir feiern, ist der gleiche. Die Reformierten nennen ihn Abendmahltisch.» Judith Aranya erklärt: «Findet ein katholischer Gottesdienst statt, so wird daraus ein Altar. Es kommt ein mobiler Tabernakel hinzu und die Osterkerze wird angezündet.» Das brauchte in der Vergangenheit durchaus ein Zusammenfinden. Seit letztem Jahr findet sich im Raum etwa auch ein Taufbaum, der von katholischer Seite angeschafft wurde; er wird ganz selbstverständlich auch von den Reformierten benutzt.

Obwohl das Feiern von ökumenischen Gottesdiensten eine eingespielte Sache ist, brauche es trotzdem ab und zu Humor, erzählt Wolfgang von Ungern-Sternberg. «Als darüber gesprochen wurde, ob bei einem bestimmten ökumenischen Gottesdienst Gegenstände gesegnet werden, habe ich gesagt: ‹Sorry, das ist bei uns nicht Teil des Programms.› Und habe freundlich gelächelt. Der andere hat auch freundlich gelächelt und gesagt: ‹Ach ja.› Damit war die Sache gegessen.»

Mehrzweckgebäude für viele Anlässe

Neben den Gottesdiensten bietet das Gebäude als funktionales Mehrzweckgebäude viel Raum, um die unterschiedlichsten Veranstaltungen anzubieten. Konzerte, Theaterabende, und Gemeindeversammlungen wechseln sich ab. Judith Aranya schätzt dies: «Für mich als gebürtige Österreicherin waren Gottesdienste in einem Mehrzweckraum neu. Ich war mich an sakrale Gebäude gewöhnt. Aber mit herkömmlichen Kirchenbauten verbindet man das Traditionelle, das Strukturierte, das etwas weniger Flexible vielleicht. Dafür wirkt hier ein anderer Aspekt sehr stark: die Gemeinschaft. Es gibt viele Menschen, denen es wichtig ist, dass man miteinander auskommt und im Austausch ist.»

Wenn man ökumenisch unter einem Dach lebt, kann man auch gemeinsam stark nach aussen auftreten, hat Wolfgang von Ungern-Sternberg erfahren: «Wir Christen vor Ort zeigen: Wir sind uns einig und bieten gemeinsam was an». So stosse man auf offene Türen. Wie etwa bei der erfolgreichen Lego-Bauaktion im Mai, an welcher 150 Kinder teilnahmen, darunter auch 60 Kinder der umliegenden Schulen.

Beide ökumenischen Partner können sich vorstellen weiterhin grössere Aktionen umzusetzen, mit denen sich das Evangelium vermitteln lässt. Von Ungern-Sternberg schwebt etwa eine theatermässige Einführung für Weihnachten vor, an dem sich viele Menschen als Schauspieler beteiligen würden. Das unterstützt Judith Aranya: «Egal, was hier an Action geliefert wird, es soll Begegnung stattfinden. Es geht nicht um den Showeffekt, sondern um den Boden der Aktionen, aus dem das Leben wächst.»

Jubiläumsfeier: Von der «Aktion Lee» zum Lee in Aktion

Am Sonntag, 16. September 2018, wird das Jubiläum «40 Jahre Kirchliches Zentrum Lee in Riniken» gefeiert:

09.30 Uhr          Einstimmung Musikgesellschaft Riniken
10.00 Uhr          Brunch / parallel dazu Graffitikünstler mit Teenies, Kinderprogramm,
                          Ausstellung Fotocollagen Lee
11.30 Uhr          Texte zum Lee von Historikerin Astrid Baldinger
                          Gemischter Chor Riniken, anschl. Pause

12.15 Uhr          Kuchenbuffet der Konfirmanden
13.00 Uhr          Ökumenische Dankesfeier
 


Glockenaufzug im Kirchlichen Zentrum Lee am 10. September 1978. Foto: Ernst Frey
Glockenaufzug im Kirchlichen Zentrum Lee am 10. September 1978. Foto: Ernst Frey

Dokument 2018-09-16-Jubilaum-Riniken-40-Jahre.pdf (pdf, 8071.8 kB)

Datum der Neuigkeit 30. Aug. 2018

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