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Pastoralraum Brugg-Windisch

Geistlicher Impuls für heute

Sich einen Moment des Innehaltens gönnen, sich auf das Wesentliche besinnen in diesen aussergewöhnlichen Zeiten, Nahrung für die Seele bekommen, sich mit anderen Menschen verbinden – dies ermöglichen die geistlichen Impulse. Ab September 2021 jeweils montags und donnerstags finden Sie hier einen neuen Text, verfasst von Mitgliedern aus unserem Pastoralraumteam.
Wir freuen uns, uns so mit Ihnen und vielen anderen verbunden zu wissen!

Impuls für Donnerstag, 14. Oktober 2021

Gerechtigkeit liegt im Auge des Betrachters

Bibeltext: Jona 3,10b;1.4-11
Gott reute das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus. Das missfiel Jona ganz und gar, und er wurde zornig. Da erwiderte der Herr: Ist es recht von dir, zornig zu sein? Da verliess Jona die Stadt und setzte sich östlich vor der Stadt nieder. Er machte sich dort ein Laubdach und setzte sich in seinen Schatten, um abzuwarten, was mit der Stadt geschah. Da liess Gott, der Herr, einen Rizinusstrauch über Jona emporwachsen, der seinem Kopf Schatten geben und seinen Ärger vertreiben sollte. Jona freute sich sehr über den Rizinusstrauch. Als aber am nächsten Tag die Morgenröte heraufzog, schickte Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, so dass er verdorrte. Und als die Sonne aufging, schickte Gott einen heissen Ostwind. Die Sonne stach Jona auf den Kopf, so dass er fast ohnmächtig wurde. Da wünschte er sich den Tod und sagte: Es ist besser für mich zu sterben als zu leben. Gott aber fragte Jona: Ist es recht von dir, wegen des Rizinusstrauches zornig zu sein? Er antwortete: Ja, es ist recht, dass ich zornig bin und mir den Tod wünsche. Darauf sagte der Herr: Dir ist es leid um den Rizinusstrauch, für den du nicht gearbeitet und den du nicht grossgezogen hast. Über Nacht war er da, über Nacht ist er eingegangen. Mir aber sollte es nicht leid sein um Ninive, die grosse Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die nicht einmal rechts und links unterscheiden können - und ausserdem so viel Vieh?

Impuls
Ich bin richtig begeistert von diesem biblischen Text. Er ist so «menschlich» und zeigt Momente und Verhaltensweisen die, ich zumindest, von mir selber gut kenne und immer wieder an mir entdecke, auch wenn sie mir eigentlich nicht so wirklich gut gefallen.

Noch kurz zur Geschichte, die vorher passiert ist, damit wir das Ganze auch einordnen können. Jona ist durch die Stadt Ninive gegangen und hat ihr gedroht, dass Gott sie zerstören wird, wenn sich die Menschen nicht bessern. Sie haben die Drohung von Jona ernst genommen und ein Fasten ausgerufen und da setzt unser Bibeltext ein. Gott reut es, was er angedroht hat und er lässt die Stadt unzerstört. Und da wird Jona sauer. Hä, warum denn denken Sie jetzt vielleicht. Die Menschen in Ninive haben doch genau das gemacht, was Gott wollte, warum sollte Jona denn jetzt sauer sein. Aber Jona sieht nur, dass die Menschen sich sehr schlecht benommen haben und jetzt plötzlich alles vergeben und vergessen ist. Jona hätte es wahrscheinlich gerechter gefunden, wenn die Menschen zumindest in irgendeiner Art bestraft worden wären, auch wenn es nicht gerade die Zerstörung der Stadt ist.

Enttäuscht wegen dieser Ungerechtigkeit zieht er sich zurück, von Ninive, aber auch von Gott und er erfährt am eigenen Leib, wie sehr Gerechtigkeit im Auge des Betrachters liegt. Denn als der Strauch, den Gott geschickt hat wieder verdorrt, fühlt er sich wieder ungerecht von Gott behandelt, weil Gott den Strauch, der für ihn wichtig und gut war, wieder eingehen liess, aber das «böse» Ninive durfte weiterbestehen. Und das ist genau der Knackpunkt. Für die Menschen in der Stadt ist es wahrscheinlich nicht so relevant, ob ein Strauch vor den Mauern steht oder nicht, aber ob die Stadt zerstört wird, das ist für sie ziemlich elementar. Sie sind dankbar für Gottes Barmherzigkeit. Diese hat Jona ja genau genommen auch erfahren, als Gott den Strauch wachsen liess.

Doch wir Menschen sind in diesem Punkt so gestrickt, dass es unglaublich schön ist, wenn wir selber Gottes Barmherzigkeit spüren dürfen, aber uns schnell ungerecht behandelt fühlen, wenn andere diese erfahren und wir nicht auch gleichzeitig. Warum sie und ich nicht?

Wenn es uns das nächste Mal so geht, denken wir an Jona und seinen Strauch, vielleicht hilft uns das, die Perspektive zu ändern und zu verstehen, warum in diesem Moment die anderen und nicht ich.

Vanessa Furrer, Seelsorgerin Kirchenzentrum Paulus Birrfeld

 


Dokumente 2021-08-27_Morgengebet_AOe.pdf (pdf, 174.5 kB)
2021-08-30_Gedanken_eines_Sommernachmittags_JN.pdf (pdf, 232.2 kB)
2021-09-02_Gott_ganz_fern_und_ganz_nah_DF.pdf (pdf, 564.8 kB)
2021-09-06_Taumelkafer_VF.pdf (pdf, 228.1 kB)
2021-09-09_Zwischenzeiten_EL.pdf (pdf, 179.7 kB)
2021-09-13_Impuls_Hund_MDoe.pdf (pdf, 639.4 kB)
2021-09-16_Eine_Brucke_bauen_JN.pdf (pdf, 251.9 kB)
2021-09-20_Kinderaugen_CG.pdf (pdf, 197.9 kB)
2021-09-23_Prinzundfuchs_HW.pdf (pdf, 207.0 kB)
2021-09-27_Stehen_VF.pdf (pdf, 252.6 kB)
2021-09-30_Unerkannte_Engel_unter_uns_DF.pdf (pdf, 335.9 kB)
2021-10-04_Ansichten_CG.pdf (pdf, 134.1 kB)
2021-10-07_IrgendwannHappy_MDoe.pdf (pdf, 259.8 kB)
2021-10-11_Weisheit_EL.pdf (pdf, 344.6 kB)
2021-10-14_Gerechtigkeit_VF.pdf (pdf, 383.8 kB)

Datum der Neuigkeit 14. Okt. 2021

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