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Pastoralraum Brugg-Windisch

Geistlicher Impuls für heute

Sich einen Moment des Innehaltens gönnen, sich auf das Wesentliche besinnen, Nahrung für die Seele bekommen, sich mit anderen Menschen verbinden – dies ermöglichen die geistlichen Impulse, die wir hier regelmässig veröffentlichen. Während der Ferienzeit erscheint jeweils montags ein persönlicher Text eines Mitglieds unseres Pastoralraumteams, nach den Ferien dann auch wieder donnerstags Gedanken über Persönlichkeiten, die für unsere Kirche und unsere Gesellschaft von Bedeutung sind.
Wir freuen uns, uns so mit Ihnen und vielen anderen verbunden zu wissen!

Impuls für Montag, 8. April 2024

Nachtgedanken

Eines Nachts lag ich im Bett, wie gewohnt, so ab 3.30 Uhr wach und ungeduldig: ach, wär‘s doch schon Morgen! Und wenn man so im Bett liegt, in der Dunkelheit, dann denkt man über das Leben nach. Mir kamen da Bilder in den Sinn, die ich letzthin im Fernseher aufgeschnappt hatte: eine Doku über die Armut in der Schweiz. Es wurden verschiedene Lebensgeschichten erzählt, und Personen dazu vorgestellt: vom klassischen Obdachlosen auf Zürcher Strassen, bis zur Familie mit Kindern, gab es verschiedene Beispiele. Ich war erstaunt, wie breit die Armut in unserem Land gestreut hat. Ich war auch erstaunt über den Mut, den die portraitierten Menschen mit ihrem Coming-out beweisen: Es ist nicht ganz ohne, den Menschen, die vor dem Fernseher sitzen, die eigene Not zu erklären! Wie schnell ist ein Urteil gefällt… Also, die sind doch selbst schuld! Die müssten doch… die sollten doch…

Spüren sie es? Mir ist es genau so ergangen: Armut ist genauso lange akzeptiert, wenn sie aus politischen Gegebenheiten entsteht, oder durch einen Schicksalsschlag. Armut, die ein Mensch aber nicht einfach aus einer Opferrolle heraus erklären kann, die ist schon ein wenig schwerer zu begreifen.

Wenn man nun aber im Dunkeln im Bett liegt und nachdenkt, wird einem bewusst, wie überheblich und arrogant diese Denk- und Empfindungsweise ist! Wir alle leben mit unserer Lebens- und Prägungsgeschichte. Wir alle haben unsere Hürden und alle springen so hoch, wie sie nur können. Die Tatsache, dass mein Springvermögen bis jetzt stets genügte, um über die Hürden zu kommen, die sich mir bis jetzt in den Weg gestellt haben, sollte mich eigentlich eher dankbar machen. Stattdessen war ich für einen Moment bereit, nach unten zu schlagen und hämisch zu denken: selbst schuld!

Siedend heiss wurde mir vor Scham! Was bin ich für ein Mensch! Immer dachte ich von mir, bei den Guten zu sein! Nun merke ich, dass ich nicht besser bin wie fast jede/r auf dieser Welt! Meine Bereitschaft zu helfen, wo Not ist, war, so merkte ich in dieser Nacht, gekoppelt an den Gedanken: ich helfe, dafür muss die Person, der ich geholfen habe, aber irgendwann fähig sein, ihre Situation zu verbessern – habe meine Hilfe also an Bedingungen gekoppelt! Wie arrogant ist das denn? Für einen Moment konnte ich meine Erkenntnis kaum fassen!

Gut, habe ich darüber nachgedacht und gemerkt: lernen muss vor allem ich! Glauben auch: jeder Mensch macht aus seinem Leben so viel, wie ihm/ihr nur möglich ist! Jede/r hat Hilfe nötig, von Zeit zu Zeit, ohne sich deswegen klein und minderwertig fühlen zu müssen!

So bitte ich Gott um wirkliche Grossherzigkeit und Bereitschaft, das, was ich habe, zu teilen. Ohne Hintergedanken und Bedingungen, aber voller Vertrauen und Wohlwollen. Vielleicht fällt es mir dann leichter, wenn ich in die Situation der Hilfsbedürftigkeit komme, Hilfe dankbar anzunehmen!

Denn schon Jesus hat gesagt: «Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.» Mt 25,35

Diesmal sind andere hungrig, durstig und fremd, ein andermal bin ich es vielleicht? Aber, ob eine andere oder ich – jede/r, der/die Hilfe bekommt, ist froh, wenn dies respekt- und liebevoll geschieht!

In diesem Sinne: schauen wir zueinander und lasst es uns in der besten Absicht und mit Demut tun!    

Herzlichst 

Judith Näf, Katechetin


Brot brechen
 
Dokumente 2024-03-07_Basilius_von_Caesarea_2_VF (pdf, 271.2 kB)
2024-03-11_Frühlingserwachen_NS (pdf, 198.8 kB)
2024-03-14_Basilius_von_Caesarea_3 (pdf, 251.7 kB)
2024-03-18_Das Opfer der Witwe_JN (pdf, 765.9 kB)
2024-03-21_Gregor_von_Nazianz_VF (pdf, 241.7 kB)
2024-03-25_Mittagstisch_für_ALLE_CH (pdf, 814.6 kB)
2024-03-28_Gregor_von_Nazianz_2 (pdf, 333.6 kB)
2024-04-01_Frust_oder_Freude_VF (pdf, 242.2 kB)
2024-04-04_Gregor_von_Nazianz_3 (pdf, 294.5 kB)
2024-04-08_Nachtgedanken_JN (pdf, 157.2 kB)

Datum der Neuigkeit 8. Apr. 2024

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